Startup oder Gründer?

Den Businessplan machst Du nicht für die Bank, sondern für Dich selbst

Dr. Michael Düpmann ist Mitglied des Vorstandes und kann auf viele Jahre Erfahrung im Bankwesen zurückgreifen. Das Thema Firmengründung liegt ihm besonders am Herzen. Hier gibt er hilfreiche Hinweise für diejenigen, die nicht nur mit dem Gedanken spielen, Unternehmer zu werden, sondern es ernsthaft vorhaben.

Wie hat sich die Gründerszene verändert, im Vergleich zu früher?

Dr. Michael Düpmann: Der klassische Gründer von früher hat sich aus seinem Beruf heraus selbstständig gemacht. In der Regel hat er einen Beruf gelernt, vornehmlich im handwerklichen Bereich, seinen Meister gemacht, ein paar Jahre gearbeitet und ist dann den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen. Dann wusste er bei seiner Gründung aber aufgrund mehrjähriger Berufserfahrung auch, wie sein Geschäft läuft. Das heißt: Welche
Materialien bekomme ich wo zu welchem Preis, wie muss ich meine Leistung anbieten und wie viele Aufträge kann ich in der Regel abarbeiten. Er kannte also seinen Markt und den Wert seiner Arbeit. So war es relativ leicht zu kalkulieren – ohne viele Unbekannte in der Gleichung zu haben. Heute haben wir eine Startup-Szene. Die unterscheidet sich kolossal vom klassischen Gründer.

Vorstand

Inwiefern? Wie kann man sich diese vorstellen?

Bei einem Startup geht es meist um eine neue Idee oder Technologie, die der Gründer von heute hat und die er – im ganz unterschiedlichen Reifegrad – vielleicht auch schon entwickelt vorzeigen kann. Was noch nicht wirklich existiert, hat auch noch keinen wirklichen Markt. Was noch nie angeboten wurde, kann noch nicht nachgefragt worden sein. Dementsprechend herausfordernd ist die Markteinführung, insbesondere wenn man hier nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen kann. Dafür setzen Startups sehr auf die Skalierbarkeit ihrer Produkte.

Was bedeutet das konkret?

Bei einem selbstständigen Handwerker entwickelt sich das Geschäft linear. Nach einer gewissen Anlaufzeit hat er einen festen Kundenstamm, den er so weit ausgebaut hat,
wie er die Aufträge letztendlich auch bearbeiten kann. Bei einer innovativen App ist das anders. Der Entwicklungsaufwand ist meist unabhängig von der Anzahl der Nutzer – ob ich sie 500 oder 5 Millionen mal verkaufe. Aber: Das Ergebnis ist eben auch deutlich weniger einschätzbar, da die Marktveränderungen schwer planbar sind.

Was muss man als Gründer besonders beachten?

Um eine Idee zu realisieren gibt es Vieles zu beachten.Klar, ein wichtiger Punkt ist der finanzielle Rückhalt, der muss da sein, um am Ende des Monats die Miete zu bezahlen und jeden Tag etwas zu Essen zu haben. Aber der Gründer muss sich auch Gedanken darüber machen, welche Partner er braucht, um die Idee auf die Straße zu bringen. Dann haben wir ganz formale Dinge in Deutschland zu beachten, die in Richtung Rechtsform, Patentrecht etc. gehen. Ein guter Steuerberater ist ebenfalls wichtig. Das sind Themen, mit denen man sich beschäftigen muss. Und bei der Vielzahl derer: Es gibt nicht einen, der alles weiß. Daher raten wir Menschen auf dem Weg zum Startup: Umgebe Dich mit Gleichgesinnten und treffe Dich an einem realen, wirklich realen und nicht virtuellen Ort, wo Netzwerk und Austausch möglich ist. Da triffst Du die, die schon ein paar Meter weiter auf dem Weg der Zielgeraden sind als Du – und Dich von ihrer gesammelten Erfahrung profitieren lassen. Dazu gibt es in jeder größeren Stadt, wie auch hier in Mannheim, Gründernetzwerke.

Wann kommt bei einer Gründung die Bank ins Spiel?

Wenn es um das Thema Fremdkapital geht, ist das in der Startup-Szene relativ spät. Denn ein Darlehen kann nur dann ausgereicht werden, wenn die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung anhand bereits getätigter Geschäftsabschlüsse beurteilt werden kann. Ohne Eigenkapital geht es nicht. Das kommt vom Gründer selbst, über Venture Capital oder über eine Mischform aus Beidem. Dennoch sind wir als Bank sehr früh recht nahe an der Szene dran. Unser Mitarbeiter Sven Birkner brennt für das Thema. Er berät viel in Gründungszentren über die Möglichkeiten, die es in unserer Region gibt, bevor Fremdkapital zum Einsatz kommt. Wir selbst bieten hier schon Lösungen: Gemeinsam mit anderen lokalen Banken sind wir an Venture Capital Fonds der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz beteiligt. Das heißt: Auch wir vermitteln Eigenkapital. Das ist unser Invest in die regionale Startup-Szene.

Wie fördern Sie die Startup-Szene außerdem?

Wir rufen gerade eine neue Workshop-Serie ins Leben. Die nennen wir ‚Mittelstand meets Startup‘. In dem Format bringen wir Gründer mit mittelständischen Unternehmen zusammen, die wir zum Teil schon seit Generationen kennen und daher auch sehr gut einschätzen können, wo zwei voneinander profitieren können. Derzeit sind wir noch in einer Testphase aber sehr zuversichtlich, dass das Konzept aufgeht. Das hat viel mit Vertrauen zu tun: Seitens der etablierten Unternehmen, sich Neuem zu öffnen, aber auch seitens der Jungunternehmer, Einblicke zu gewähren und Rat erfahrener Unternehmer anzunehmen. Wir als vermittelnde Bank sind aber überzeugt, dass es für viele Fälle ein guter und gangbarer Weg ist und Mehrwert für beide Seiten liefern kann. Es wird also ein neues Begegnungsformat.

Wie wichtig ist ein Business Plan?

Der wird oftmals wie eine heilige Monstranz behandelt. Viele Gründer scheuen sich davor und denken dabei an wahnwitzige Excel-Tabellen oder kleine Doktor-Arbeiten, an die sie sich nicht herantrauen oder vor sich herschieben. Ich kann dazu nur raten: ‚Mache ihn früh, am besten gleich zu Beginn der Idee. Und: Mache ihn nicht für die Bank, sondern für Dich selbst.‘ Denn schließlich liefert er Antworten auf existenziell wichtige Fragen. Diese sind zu Beginn ganz wenige und einfache. Aber die Antworten darauf zeigen dem Gründer ganz schnell und eindeutig, ob er auf dem richtigen Weg ist. Denn Eines muss klar sein: Ein innovatives Produkt am Markt platzieren und davon leben zu können, grenzt sich ganz klar von Liebhaberei ab. Ein Hobby muss sich nicht rechnen.

Welche ersten Fragen sind es denn, die ich mir auf dem Weg zum Gründer beantworten muss?

Das Ausgangs-Prinzip ist ganz simpel: Ich brauche mehr Einnahmen als Ausgaben. Um die Einnahmen ermitteln zu können, beantworte ich die Frage: ‚Wer‘ bezahlt mir ‚wieviel‘ ‚wofür‘? Damit kann ich mir schon mal grob einen möglichen Umsatz errechnen. Dann geht es im zweiten Schritt darum, das‚ wofür zu entwickeln; wieviel Zeit und wieviel Geld brauche ich dafür? Habe ich dafür Erspartes, um beispielsweise ein Jahr Entwicklungszeit überbrücken zu können – oder ab wann könnte es kritisch werden, bevor der Prototyp fertig ist? Dann kommen wir zur Vertriebs-Frage: ‚Wie‘ bringe ich das ‚wofür‘ an ‚wen‘ – und welchen Invest, also Marketingausgaben, muss ich dafür einplanen? Das sind die rudimentären Fragen, die aber ungemein wichtige Antworten liefern. Danach kann man den Business Plan natürlich immer weiter runter brechen und kleinteiliger werden. Das sollte im Basis-Prinzip jeder Gründer aber gemacht haben, wenn er vorhat, von seinem Unternehmen leben zu können. Der Business Plan wächst und lebt im Unternehmertum ständig mit. Bei einem Plan verhält es sich aber auch so: Manches tritt trotz Plan nie ein. Das ist überhaupt nicht schlimm und kommt ständig vor. Schlimm wäre nur, wenn ich mir dann nicht die nächste Frage stelle: Welche Auswirkungen hat das? Das können Negative wie Positive sein. Dann muss ich den Plan entsprechend an die neuen Voraussetzungen anpassen. Tue ich das nicht, falle ich ins Risiko.

Welche wichtigste Eigenschaft/en sollte ein Gründer aus Ihrer Sicht unbedingt mitbringen?

Teamfähigkeit würde ich sagen. Denn alleine kann man das nicht schaffen. Wie zu Beginn schon gesagt: Die meisten haben das, was von ihnen als Unternehmer gefordert wird, vorher noch nie gemacht. Aus einem Tüftler wird kaum ein Zahlen-Mensch. Aus einem Ideen-Sprüher in der Regel kein Organisator oder Strukturen-Schaffer. Deshalb halte ich die Einsicht, andere auf meinem Weg ins Boot holen zu müssen und das auch zulassen zu können, als wichtigste Eigenschaft. Und Selbstreflexion.

Und nun zu guter Letzt: Was macht die Metropolregion Rhein-Neckar für die Startup-Szene so besonders?

Ich halte unsere Region für hochinteressant. Wenn wir mal auf den Gründerszene-Hotspot Berlin schauen, der ist so groß, dass er schon wieder anonym wird. Das ist hier anders. Hier kann man sich noch aus der Nähe heraus kümmern. Deshalb sind wir über Sven Birkner in echt und in Persona direkt bei den Gründern und denen, die es werden wollen, vor Ort. Wir nehmen das ‚Wir für hier‘ sehr ernst. Dafür pflegen wir eine enge Kooperation mit der mg:mannheimer gründungszentren GmbH und unterstützen regelmäßig Veranstaltungen von ‚Startup Mannheim‘. Das Potenzial, das Gründer hier vorfinden, ist unglaublich.

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