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Vom Aufwind zum Gegenwind: Kapitalmärkte am geopolitischen Wendepunkt

Vom Aufwind zum Gegenwind: Kapitalmärkte am geopolitischen Wendepunkt

Stand: 07.04.2026 | Lesedauer 3 Minuten

Auf einen Blick

Die Kapitalmärkte starteten 2026 dynamisch — die Eskalation im Iran hat dies in starken Gegenwind verwandelt. Entscheidend ist, ob der Konflikt nachhaltig wirkt: Ein angebotsseitiger Schock trifft Ölpreis und Lieferketten; bei Fortdauer steigt das Risiko von Stagflation. Wir sehen die zweite Eskalationsphase mit teilweiser Schließung der Straße von Hormus und einem anhaltenden Angebotsdefizit im Ölmarkt. Das CIO-Board positionierte sich zur Optimierung des Chance-Risiko-Profils wie folgt — Aktien am oberen Ende der Neutralpositionierung, Anleihen untergewichtet, Andere Anlagen insgesamt untergewichtet, wobei Gold als Absicherung im Übergewicht. Erhöhte Liquidität und selektive Sektorübergewichtungen; defensiv, aber taktisch flexibel. 

Von: CIO-Board DZ PRIVATBANK AG

Stand: 07.04.2026

Volkswirtschaft

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung hängt in hohem Maße davon ab, wie lange der Konflikt im Nahen Osten andauert und insbesondere der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt oder vollständig unterbunden bleibt.

Im Basisszenario reduziert sich das Wachstum im Euroraum für das laufende Jahr um 0,3 Prozentpunkte, auch bei einer länger anhaltenden Sperrung sollte das Wachstum noch 0,6 Prozent betragen. Faktoren wie Investitionsprogramme und ein stabiler privater Konsum wirken weiterhin unterstützend. Die US-Wirtschaft ist aufgrund ihrer Energieunabhängigkeit weniger stark vom Konflikt betroffen.

Die stark angestiegenen Ölpreise lösen einen weltweiten Inflationsschub aus. Die Situation ist jedoch nicht mit der von 2022 vergleichbar, da sich die wirtschaftliche Ausgangslage ungleich besser darstellt. Aus aktueller Sicht ist eine Inflationsrate von 3,0 bis 3,5 Prozent am Jahresende wahrscheinlich. Bei Marktteilnehmern und Volkswirten besteht weitgehender Konsens, dass sich die Inflation nach zwölf Monaten fast wieder normalisieren und auf das Ausgangsniveau zurückfallen wird. Die langfristigen Inflationserwartungen sind bisher unverändert geblieben. Dies ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es nicht zu signifikanten Zweitrundeneffekten kommt.

Die Erwartung eines temporären Inflationsanstiegs, der sich im Laufe des Jahres wieder dem Zwei-Prozent-Ziel annähern dürfte, dominiert aktuell die Einschätzungen. Die prognostizierte Abschwächung der Wirtschaftsdynamik wirkt gleichzeitig inflationsmindernd. Die Zentralbanken sind in einer relativ guten Position und können erstmal die weitere Entwicklung abwarten. Für das Jahr 2026 erwarten wir von der EZB insgesamt zwei Zinserhöhungen, während die Fed die Zinsen voraussichtlich konstant halten wird.

Auswirkungen auf Anlageklassen

Anleihen

Das Umfeld hängt stark von der Nahost-Entwicklung ab. Kursrückgänge und Unsicherheit machen laufende Zinserträge wichtiger und wirken stabilisierend im Portfolio. Fokus auf Staats- und Unternehmensanleihen hoher Bonität; High-Yield weiterhin als Beimischung attraktiv, aber als Beimischung mit engem Risiko-Controlling.

Mittlere Duration, um das Verhältnis von Renditechancen zu Risiken ausgewogen zu halten. Erhöhte Liquidität und reduziertes Anleihe-Engagement ermöglichen schnelle Reaktionen bei Lageänderungen.

Aktien

Kurzfristig belastet durch den Iran-Konflikt, KI-Blasenängste und Private-Credit-Probleme in den USA, bleiben die Fundamentaldaten jedoch konstruktiv: Gewinnerwartungen, Arbeitsmarkt und Industrie stabilisieren. Vorsicht geboten wegen hoher Energiepreise und Inflationsrisiken. Taktisch bevorzugen wir US-Aktien aufgrund der höheren Energieunabhängigkeit – Europa bleibt anspruchsvoller. Schwellenländer Zeigen ein insgesamt heterogenes Bild, teils durch hohe Ölimportkosten belastet.

Andere Anlagen

„Andere Anlagen“ neutral gewichtet. Geopolitik dämpft Nachfrage nach Industrierohstoffen; Goldkorrektur sehen wir als liquiditätsgetrieben und weiterhin strukturell gestützt. Ölmarkt bleibt angespannt durch Angebotsdefizit infolge der Hormus-Situation; politische Maßnahmen kompensieren nur teilweise — kurz- bis mittelfristig nach oben gerichtete Preisrisiken, mittelfristig mögliche Entspannung. USD bislang resilient; EUR/USD-Potenzial bis ~1,20, CHF bei Deeskalation Abwertung auf EUR/CHF 0,94.

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