Europa: Nicht überragend, aber besser als erwartet
Die Berichtssaison für den STOXX Europe 600 fällt insgesamt solide aus –und trotz herausfordernder makroökonomischer Lage besser als erwartet. Auf Indexebene liegt das Gewinnwachstum bei rund 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und etwa 55 Prozent der berichtenden Unternehmen übertrafen die Konsensschätzungen, was über dem langfristigen Durchschnitt liegt. Analysten hatten noch Anfang April nur knapp vier Prozent erwartet, sodass die vorliegenden Zahlen als positive Überraschung zu werten sind. Treiber sind vor allem Energie und Rohstoffe – der Energiesektor verzeichnete ein Gewinnplus von etwa 33 Prozent und wird für Q2 sogar mit durchschnittlich rund 88 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal erwartet, der Rohstoffsektor dürfte knapp 50 Prozent erreichen. Daneben gehören auch Finanzdienstleister, Technologieunternehmen und Versorger erneut zu den Gewinnern, sodass insgesamt ein robustes Fundament erkennbar ist.
Markteinordnung und Ausblick
Das fundamentale Lagebild für Aktien bleibt positiv — zugleich sehen wir in einigen Segmenten Überhitzungsanzeichen. So stieg der Halbleiterindex SOX seit Jahresbeginn um rund 60 Prozent, während sich die Marktbreite einengt und weniger Titel positive Renditen liefern. Zudem zeigen Anleger Nervosität, verständlich vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und höherer Energiepreise — das spiegelte sich in der Berichtssaison: Positive Gewinnüberraschungen führten zu durchschnittlichen Kursgewinnen von 1,1 Prozent (Fünf‑Jahres‑Durchschnitt 1 Prozent), negative Überraschungen wurden deutlich härter bestraft (−4,9 Prozent vs. -2,9Prozent im Fünf-Jahres-Durchschnitt). Das fördert die Annahme auf steigende Nachfrage nach Papieren mit hoher Gewinnvisibilität — zuletzt Chiphersteller, Ölkonzerne und Versorger. Insgesamt stützen zyklische Komponenten, operative Effizienzgewinne und das KI‑Wachstum die Märkte. Herausforderungen bleiben, werden aber konservativ von den Unternehmen gemanagt — mittelfristig sehen wir die Tendenz weiterhin nach oben, vorausgesetzt die Nahost‑Spannungen beruhigen sich.
Einschätzung im Portfoliokontext
Die Berichtssaison hat den Fokus zuletzt klar auf Halbleiter‑ und Energiekonzerne gelenkt. Beide Sektoren fungieren derzeit als zentrale Gewinntreiber und sollten dies auch in den kommenden Quartalen bleiben, solange Technologieinvestitionen anhalten und Rohstoffpreise sich auf hohen Niveaus befinden. Der zuletzt unbeliebte Softwarebereich scheint sich zudem allmählich zu erholen. Es zeigen sich jüngste Signale einer Bodenbildung, sodass gezielte antizyklische Positionen sinnvoll sein können.
Auf Sektorebene schätzen wir zudem die Rohstoffbranche weiterhin als interessant ein. Hohe Rohstoffpreise stützen Margen bei Energierohstoffen und Basismetallen und nähren die Diskussion um einen möglichen „Superzyklus“. Für Portfolios bedeutet das: Rohstoff‑Exposure als Inflationsschirm und zyklischen Baustein beibehalten oder selektiv ausbauen.
Regional bevorzugen wir aktuell leicht die USA gegenüber dem europäischen Markt. Die USA profitieren weiter von starker Gewinndynamik (v.a. getrieben durch den Technologiebereich), während Europa aus Bewertungssicht attraktiv bleibt und die zyklische Ausrichtung in einem globalen Aufschwung überproportionale Chancen bieten kann.
Gesamtbericht herunterladen