Die wirtschaftliche Basis bleibt robust
Das Wachstum ist breiter geworden und die Fundamentaldaten bleiben belastbar.
- Robuste US-Konjunktur: Fiskalische Impulse und ein stabiler Arbeitsmarkt stützen das US-Wachstum. Die Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig, auch wenn die Inflation die Stimmung zunehmend belastet.
- Künstliche Intelligenz als Gewinnbeschleuniger: KI ist längst mehr als ein Zukunftsthema. Sie liefert massive Umsatz- und Gewinnimpulse und verankert die Marktbewertungen auf einem realen Fundament.
- Europa fasst Fuß: Trotz gestiegener Energiekosten stabilisiert sich die Konjunktur in der Eurozone. Staatliche Investitionsprogramme und ein widerstandsfähiger Arbeitsmarkt geben der europäischen Wirtschaft Rückenwind.
Inflation und Notenbanken geben den Takt vor
Dem konstruktiven Konjunkturausblick steht ein anspruchsvolles Inflationsumfeld gegenüber. Der Preisauftrieb erweist sich als hartnäckiger als erwartet. Die anhaltende Unsicherheit bei der Energieversorgung und die entschlossene Inflationsbekämpfung der Notenbanken haben zu einer restriktiveren Geldpolitik geführt. Die Hoffnung auf sinkende Leitzinsen ist inzwischen der Erwartung weiterer Zinserhöhungen gewichen. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind in diesem Umfeld auf fünf Prozent gestiegen. Weitere Gründe dafür sind der hohe Finanzierungsbedarf des Staates und die umfangreichen KI-Investitionen der Unternehmen. Die bisherigen Versuche des US-Finanzministeriums, dem Renditeanstieg entgegenzuwirken, zeigen bislang nur begrenzte Wirkung.
Renditehöhepunkte in Sicht?
Inflationsbedingte Zinserhöhungen der Zentralbanken ziehen auch die langfristigen Anleiherenditen nach oben. Neben der EZB zeigt auch insbesondere die Fed Entschlossenheit, die Inflation mittelfristig wieder auf ihr 2-%-Ziel zu drücken. Insgesamt haben sich die kurzfristigen Zinssätze stärker erhöht als die langfristigen. Die Zinsstrukturkurven sind sowohl für amerikanische als auch für europäische Staatsanleihen flacher geworden.
Die Markterwartungen für mehrere Zinserhöhungen halten wir für übertrieben. Wir gehen von begrenzten Zweitrundeneffekten und mittelfristig von einer ausreichenden Energieversorgung aus. Das aktuell hohe Zinsniveau ist auch für Anleger interessant und zieht zusätzliche Käufer an. Mittelfristig dürften die zehnjährigen Bundrenditen wieder Richtung 3 % fallen. Die zehnjährigen Treasury-Renditen dürften unter 4,60 % fallen.
Auch die Kreditmärkte bleiben stabil. Die Kredit-Spreads bei Unternehmensanleihen zeigten sich bisher unbeeindruckt vom Nahost-Konflikt. Die volumenstarken KI-Finanzierungen wurden vom Markt problemlos absorbiert. Analog zu unserem konstruktiven Konjunkturszenario erwarten wir auch zukünftig stabile Aufschläge für Bonitätsrisiken.
Aktienmärkte durch fundamentale Stärke gestützt
Die Aktienmärkte bleiben vor allem aufgrund des gesunden Gewinnwachstums robust. Die Marktentwicklung ist derzeit stärker gewinn- als bewertungsgetrieben. Kurzfristig erscheint Vorsicht angemessen. Die Aussichten für Aktien bleiben jedoch dank solider Fundamentaldaten mittelfristig positiv.
Anleihen: Geduld zahlt sich aus
Das Umfeld für Anleihen bleibt angesichts des erhöhten Zinsniveaus und möglicher weiterer Renditeanstiege insgesamt anspruchsvoll. Wir verzichten vorerst darauf, das Zinsänderungsrisiko durch eine Ausweitung der Duration zu erhöhen. Im Vordergrund stehen eine ausgewogene Laufzeitenstruktur, eine hohe Emittentenqualität und die Wahrung der Flexibilität für spätere Marktchancen. Vergleichsweise stabile Risikoaufschläge, höhere laufende Renditen und solide Unternehmensbilanzen sprechen für eine Übergewichtung von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen.
Energie und Metalle im Spannungsfeld der Geopolitik
- Gold: Gold profitiert von geopolitischen Risiken, hoher Staatsverschuldung und Zentralbankkäufen. Anfang August setzte eine bemerkenswerte Rallye ein. Gegen Ende des Quartals notierte Gold bei rund 4.300 US-Dollar. Im zweiten Quartal 2026 kauften die Zentralbanken 289 Tonnen Gold, ein neuer Quartalsrekord. Unabhängig vom kurzfristigen Kursverlauf bleibt Gold ein fundamentaler Portfolioschutz.
- Öl: Der Ölmarkt steht erneut im Zeichen geopolitischer Spannungen. Brent stieg bis Mitte September auf rund 107 US-Dollar. Im Fokus steht weiterhin die Straße von Hormus. Ohne eine Einigung der Konfliktparteien dürften die Ölpreise zwischen 80 und 110 US-Dollar verharren. Bei weiterer Eskalation oder einer längeren Blockade sind im Jahr 2027 auch Preise um 120 US-Dollar möglich.
- Gas: Europas Speicher sind besorgniserregend leer. Die Gasspeicher sind derzeit nur zu rund 68 % gefüllt. Deutschland ist noch stärker betroffen: Kurz vor Beginn der Heizsaison sind die deutschen Speicher nur zu rund 55 % gefüllt. Bei kalter Witterung und anhaltenden Lieferengpässen könnten die Gaspreise auf 90 bis 120 Euro je Megawattstunde steigen.
Chancenorientierte Positionierung, aktives Management bleibt Trumpf
Risiken, Renditen und robuste Gewinne: Diese drei Koordinaten prägen unsere aktuelle Positionierung. Die strategische Basis gibt Orientierung, taktische Flexibilität schafft Handlungsspielraum. Unsere Vermögensaufteilung bleibt chancenorientiert, ohne die notwendige Diversifikation und Risikodisziplin aus dem Blick zu verlieren.
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